Einzigartiges Schmuckstück
Einer der ältesten Kinosäle Deutschlands, das Central-Theater in Esslingen, ist aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Für die dringend notwendige Restaurierung des denkmalgeschützten Theaters stellt die Stiftung „Lebendige Stadt“ 30.000 Euro zur Verfügung.
Als Brigitte Sheikh und ihre Familie das alte Central-Theater in Esslingen erbten, wussten sie, dass es alt war. Was sie allerdings nicht wussten war, dass sich in ihrem Theater der älteste erhaltene Kinosaal Baden-Württembergs befand. Ein wahres Kleinod, dessen Schönheit und Einzigartigkeit sich erst im Laufe der Renovierungsarbeiten zeigte. „Wir haben beim Rückbau des Theaters sogar noch die original Wandbemalung gefunden“, erzählt Brigitte Sheikh. „Man hatte eine Trennwand eingezogen, um die Wand zu begradigen, und dabei eine Nische verschlossen.“ Selbst die alte Kassettendecke und die original Projektionsfläche konnten wieder frei gelegt werden. Doch die Freude über die kostbaren Funde wurde bald von den immens steigenden Sanierungskosten getrübt. Denn die Schäden an Stuck, Pilastern und Zähnchenfries waren weit größer als angenommen. So stiegen die Kosten von zunächst kalkulierten 300.000 Euro auf rund 500.000 Euro. Eine Summe, die die Erben ohne fremde Hilfe nicht hätten stemmen können. Ein Verkauf kam für die Eigentümer jedoch nie in Frage: „So etwas verscherbelt man nicht.“

Also wandten sie sich zusammen mit dem Künstlerpaar Khinganskiy im August 2006 an die Esslinger Bundestagsabgeordnete Karin Roth, die sich sofort für das Schicksal des kleinen Theaters erwärmen lies und die Stiftung „Lebendige Stadt“ um Unterstützung für die kostspielige Renovierung bat – mit Erfolg. „Dieser historische Kinoraum von 1913 und das künstlerische Programm der Betreiber haben uns sofort fasziniert“, schwärmt Alexander Otto, Kuratoriumsvorsitzender der „Lebendigen Stadt“. Das Geld der Stiftung kommt nun der Restaurierung des Saals und der Illumination der Theaterfassade zugute. Stiftungsvorstand Prof. Dr. Dittmar Machule, der das Förderprojekt begleitet, denkt schon einen Schritt weiter: „Wäre es nicht ein vorbildlicher Effekt, wenn der historische Ort mit der neuen Außenfront die Stadtväter anregte, auch ihren autobesetzten Rossmarkt vor dem Theater umzunutzen und liebevoller zu gestalten?“, fragt der Professor für Städtebau. Doch zunächst geht es nur um das Theater. Wenn alles planmäßig verläuft, kann das „Central“ vielleicht schon Ende dieses Jahres frisch herausgeputzt zur Premiere bitten.
Der Großvater von Brigitte Sheikh hatte das Central-Theater bereits in den 20er Jahren erworben. Bis 1986 befand es sich in den Händen eines Kinobetreibers. Als dieser aufhörte, wurde das Denkmalamt aufmerksam und stellte das Kino unter Denkmalschutz. Auf der Suche nach einem neuen Betreiber fand Familie Sheikh schließlich das russische Künstlerpaar Svetlana und Wladimir Khinganskiy. Sie nutzen das Theater seit 1999 als Kleinkunstbühne für Tanz, Theater, Musik und Kabarett.

„Die Geschichte des Hauses lässt sich bis 1629 zurückverfolgen“, erzählt Brigitte Sheikh stolz. Damals wurde die „Herberge zum Hammel“ erstmals urkundlich erwähnt. Um 1850 entstand dort in den Stallungen und Scheunen eine Brennerei und eine Bierbrauerei für das Gasthaus „Zum Goldenen Lamm“, ehe dann 1913 das Central-Theater am Rossmarkt 9 einzog. „Die prachtvollen neoklassizistischen Stuckornamente sind unter der Wandbespannung fast alle noch erhalten geblieben“, so Sheikh. Und auch sonst birgt das Theater noch die eine oder andere Kostbarkeit, wie beispielsweise die Bestuhlung, die Beleuchtung und der Kassenvorraum aus den 50er Jahren. Aber auch die B-8 Projektoren vom Typ Bauer sowie der neubarocke Heizkörper im runden Foyer sind eine besondere Rarität.
Brigitte Sheikh ist inzwischen guter Dinge. Neben dem Geld der Stiftung „Lebendige Stadt“ bekamen sie auch Fördergelder von der Denkmalpflege, von Bund und Land. Weitere Spenden und Patenschaften für die Saalsessel erbrachten noch einmal 50.000 Euro. Und auch das russische Künstlerpaar war nicht untätig. Bei zahlreichen Gastspielen im In- und Ausland kamen weitere Gelder zusammen. Doch trotz aller Spenden und Zuschüsse werden weiterhin noch Unterstützer gesucht. Brigitte Sheikh ist sich sicher: „Jeder Euro für die Restaurierung des Central-Theaters ist gut angelegt.“
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