Stiftung Lebendige Stadt
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Städte im Zeitalter der Mobilität

 

Im Jahre 2020 werden zwei Drittel der Weltbevölkerung in städtischen bzw. Metropolregionen leben. Daher werden Städte und ländliche Regionen spezifische Funktionen wahrnehmen müssen. Während in der Vergangenheit und auch teilweise heute eine monozentrische Besiedlungsstruktur vorherrscht, muss in Zukunft die polyzentrische Struktur durch die beteiligten öffentlichen und privaten Akteure umgesetzt werden. Insbesondere vor dem Hintergrund, dass die tägliche Flächeninanspruchnahme seit Jahren um 100 ha schwankt und damit das Ziel der Bundesregierung von 30 ha in 2020 in weite Ferne rücken lässt.

Mit der Umsetzung der polyzentrischen Stadt- und Quartiersstrukturen wird ein Beitrag zum urbanen Leben geleistet, gleichzeitig müssen darauf adaptierte Mobilitätsangebote entwickelt und eingesetzt werden.

Hierbei sind die demographischen Entwicklungen zu berücksichtigen.
Zwei Trends sind bemerkenswert, zum einen ist ein kontinuierlicher Anstieg des Durchschnittsalters (Überalterung) zu erwarten und zum anderen ist der Bevölkerungsrückgang, der in einigen Regionen seit 2001 schon erfolgt, selbst in Wachstumsregionen ab 2020 festzustellen.
Um diese Herausforderungen zu managen, muss ein Transformationsprozess insbesondere in Stadträumen, der sich an folgenden Prämissen orientiert:

  • Erreichbarkeit und Sicherheit sind wichtiger als hohe Geschwindigkeit
  • Hohe Qualität des Bestandes ist wichtiger als Neu- und Ausbau
  • Nachhaltigkeit erfordert Konsequenz und Konsistenz eingeleitet werden.

Hierbei müssen folgende strategische Prämissen für die Mobilität und Infrastruktur berücksichtigt werden:

  • Ausbau von Bundesfernstraßen führt zu weiterem Zuwachs des motorisierten Personenverkehrs
  • paralleler Ausbau von ÖV und MIV führt zur Verlagerung in Richtung MIV
  • der Neubau von Verkehrsinfrastruktur erfolgt als Konsequenz auf zunehmenden Verkehr, sodass indirekt verkehrsaufwendige und MIV orientierte Standortentscheidungen gefördert werden
  • die ressourcenschonende und konsequente Umsetzung der Nachhaltigkeit erfordert die Realisierung abgestimmter Verkehrsmaßnahmen, d.h. integrale Zusammenarbeit der städtischen/kommunalen Ressorts räumliche Entwicklung, Verkehr, Wirtschaftsförderung und Soziales

Für die Mobilität zur Unterstützung der Umsetzung urbaner Quartiersentwicklung gelten folgende technologische Herausforderungen:

  • Vermeidung sozialschädlicher Verkehrskonzepte und Technologien
  • Förderung von mit den Umfeldbedingungen harmonisierten Verkehrs- und Kommunikationssystemen (z.B. Rad-Schiene-Telematik-Technik)
  • Optimierung der Verkehrabläufe/ Verkehrsmanagement z.B. durch kooperative Fahrassistenzsysteme und fahrzeugbasierter Navigation
  • Effizienzsteigung der Verkehrsträger- und Verkehrssystemen z.B. Substitution von 40 % physischen Verkehr durch Telematik (Informations- und Nachrichtenverkehr)
  • Reduzierung der Verkehrsbedingten canzerogenen Emissionen bis 2020 (Basisjahr 1990)
          bei Dieselruß um 90 %
          bei Benzol um 96 %
  • Reduzierung des Verkehrslärms bis 2020
         in Wohngebieten       tags auf 55 db (A)
                                        nachts auf 45 db (A)
  • Einführung des ZEV -Zero emission vehicle- mittels folgender Antriebstechnologie
      - Elektromotor
      - Brennstoffzelle
      - solarer Wasserstoff
  • Stärkung des ÖPNV mit intelligenter Verknüpfung von Bus/ Bahn/ MIV


Die Umsetzung dieser Bedingungen für die Mobilität erfordert insbesondere für in Stadträumen parallele Maßnahmen zur Urbanität und zur Infrastruktur.
Im Einzelnen gilt:

  • Die Zusammenarbeit benachbarter Gemeinden insbesondere bei der Ausnutzung verfügbaren Baulandes und gegebenenfalls ergänzender Baulandausweisung ist die Voraussetzung für eine flächensparende Entwicklung.
  • Aufgabenfelder wie Wohnungsbau, Gewerbeansiedlung oder Freiraumschutz bedürfen aufgrund fehlender Übereinstimmung von Planungs-, Funktions- und Handlungsraum intensiver Abstimmungsprozesse zwischen den einzelnen Regionen
  • Aspekte einer nachhaltigen (Verkehrs-) Entwicklung sind sowohl in sektorale als auch in themenübergreifende Kooperationsvorhaben zu integrieren.
  • Abschluss vom regional abgestimmten Stadt-Umland-Konzepten incl. nachhaltiger regionaler Flächenstrategie / Flächenpolitik
  • Verbot / Einschränkung in Gebieten mit rückläufiger Bevölkerungszahlen zur Inanspruchnahme neuer Flächen, da bei Nichtbeachtung hierdurch die Effizienz der regionalen Struktur einschließlich des Verkehrssystems sich reduzieren


Das Schienennetz sollte Leitstruktur für eine regionale Siedlungsentwicklung sein, so dass Standorte mit guter ÖPNV-Erschließung gestärkt werden.


Die erfolgreiche Integration der beiden Elemente Mobilität und Urbanität ist die Basis für eine neue Beziehung zwischen Stadt und Land mit:

  • Polyzentrische und ausgewogene Raumentwicklung
  • Dynamische, attraktive und wettbewerbsfähige Städte und Verdichtungsregionen
  • Eigenständige, vielfältige und leistungsfähige ländliche Räume
  • Partnerschaft zwischen Stadt und Land


Damit können in den Stadtregionen und auch in ländlichen Regionen wirtschaftliche und kundenorientierte Mobilitätssysteme implementiert werden.


Prof. Dr. Jens-Uwe Fischer, Leiter Sanierungsmanagement im
Vorstandsressor Finanzen/Controlling der DB Mobility & Logistics AG