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Unser gemeinsamer Kulturauftrag
liegt in dem Recht auf gleiche Bildungschancen für
alle Bürger, gleich welcher Herkunft, welchen
Geschlechts. In der Schule, auch im Sport, vor allem
aber in der kreativen Kunst, im Theater können
innerhalb einer Gesellschaft Werte vermittelt
werden, die ein Miteinander leben „erleichtern“. Das
freiwillige Miteinander der Bürger sollte ermöglicht
und unterstützt werden, Schwellenängste dürfen gar
nicht erst aufkommen. Gemeinschaftliche Erlebnisse
fördern die Kommunikation und die Aktivität des
Einzelnen - dabei sollte Hoch- nicht Eventkultur im
Mittelpunkt stehen. Vor allem aber: Kultur muß für
alle Menschen bezahlbar sein.
Auch in Krisenzeiten gibt es Gewinner - die sich auf
Kosten anderer Menschen daran bereichern - je
nachdem aus welchem Blickwinkel man Krisen
betrachtet, ergeben sich durchaus Anlässe, neue (Kultur-)Projekte
zu planen, unter dem Vorwand damit Arbeitsplätze
anbieten zu können, hinter denen sich letztlich
reine Wirtschaftsinteressen verbergen.
Verantwortliche (Kultur-)Politik erfordert deshalb
ständige Bewegung in allen Bereichen, die Menschen
miteinander verbinden sollen. Vorhandenes, wenn es
sich bewährt hat, sollte erhalten und fortentwickelt
werden, in diesem Sinn kann Kultur durchaus eine
Scharnier-funktion zu bereits Bestehendem haben.
Natürlich müssen sich unsere Städte auch
technologisch weiter entwickeln, aber nicht anonym;
die zu entwickelnden Fortschrittskonzepte sollten
die Geschichte der Stadt und ihrer Menschen nicht
aus dem Auge verlieren. Architektonisch bedeutet das
auch, den Orten an denen Neues entstehen soll, im
sinne ihres Geistes, ihrer jeweiligen Atmosphäre
gerecht zu werden. Kultur muß die Chance haben, sich
in ihrem Umfeld langsam und behutsam zu entwickeln.
Sie wachsen und entstehen zu lassen ist wichtiger,
als alles gleichzeitig bauen zu wollen; mit der Zeit
Gewachsenes hat mehr Chancen auf Bestand.
Kultur-Projekte die nur um ihrer selbst willen
entstehen, ohne auf die Menschen ausgerichtet zu
sein verlieren innerhalb kürzester Zeit an Qualität.
Ohne Qualität geht gar nichts, ihr gegenüber loyal
zu sein und sie langfristig zu sichern ist Aufgabe
aller für die Projekte Verantwortlichen, auch der
Künstler. – Voraussetzung: es muß ein Bedarf
bestehen!
In unserer Zeit erhöht sich zunehmend die
Notwendigkeit, die demographische Entwicklung zu
beachten, aber das darf nicht Grundsatz aller
Bedarfsdefinitionen sein, um die Lust in einer
solchen Stadt zu leben nicht zu schmälern. Im
Gegenteil, die Städte müssen attraktiv gemacht
werden, unter anderem indem sie sich im Rahmen ihrer
Möglichkeiten anderen Kulturen öffnen. Dabei ist es
wichtig, auch Kinder und Jugendliche aus
Migrantenfamilien und bildungsferneren Schichten zu
erreichen ohne die Realität aus dem Auge zu
verlieren, auch dadurch wird sich langfristig stetig
etwas verändern.
Information ist wichtig. Wo Defizite bestehen,
müssen Lösungswege überlegt und umgesetzt werden.
Bestehende Angebote müssen entsprechend gut vernetzt
werden, sowohl im Internet als auch nach wie vor
mithilfe Printmedien. Besonders das Angebot für
Kinder und Jugendliche muß immer wieder ausgeweitet
werden, mit dem Ziel kulturelle Bildung auf hohem
Niveau zu erweitern.
Kultur verbindet die Menschen - mit den Städten -
mit den Menschen. Sie schafft Arbeitsplätze – in den
Ensembles, den Verwaltungen, den Zulieferbetrieben,
ebenso wie in den mittelbaren Nutznießern, der
Gastronomie, Hotellerie und dem Verkehrswesen.
Kulturausgaben fördern eine blühende und lebendige
Kultur-, Bildungs-, und Freizeitwelt. Diese Ausgaben
sind Investitionen, sie machen unsere Stadt
künstlerisch attraktiv, liebenswert, das Leben in
ihr interessanter und tragen so zu unser aller
„Lebenswert“ bei. Voraussetzung: Im Mittelpunkt der
Kultur steht vor (privat)wirtschaftlichem Interesse
der individuelle Mensch.
Susanne Heydenreich
Intendantin Theater der Altstadt, Stuttgart |