Stiftung Lebendige Stadt
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„Stadtentwicklung und private Immobilienunternehmen - immer häufiger Partner“ von Dr. Eckart John von Freyend

Viel versprechende Ansätze zur Vitalisierung von Städten gibt es auch dort, wo man sie am wenigsten erwartet: in vermeintlich öden Gewerbegebieten und Fabrikkomplexen. Hier ziehen sich industrielle Großproduzenten nach und nach zurück; es entstehen buchstäblich Frei-Räume für neue Zwecke. Immer häufiger geben dabei private Immobilienunternehmen wichtige Impulse für die Belebung von Quartieren.
 

Zum Beispiel im IVG Businesspark Media Works Munich. Dieses war noch vor zehn Jahren eine weitgehend abgeriegelte Gebäudefestung mit 120.000 Quadratmetern Produktionsfläche, in dem Druckpressen stampften und Nähmaschinen surrten. Heute ist der Komplex nahe dem Ostbahnhof ein offenes Zentrum für Münchener Kreativ-Unternehmen. Zu den rund 100 Mietern gehören Werbeagenturen und Internet-Dienstleister, Architekten, Film- und Fernsehstudios, Verlage und Bildungseinrichtungen, die Szenediscothek „Pacha“ und die Bayerische Volkssternwarte.
Um sie anzulocken, hat IVG als Eigentümerin des Media Works Munich keineswegs das Unterste zuoberst gekehrt. Im Gegenteil: Die historischen Räume wurden weitgehend gelassen. Lediglich die Zwischenwände wurden weitgehend entkernt sowie die technische Infrastruktur erneuert. Und gerade das reizte die Kreativen - sie konnten ihre Ateliers, Studios und Lofts fast nach Belieben ausbauen und einrichten. Zudem erlaubt der Verzicht auf aufwendige Umbauten Mieten, die gerade für Münchener Verhältnisse recht bescheiden sind und den Bedürfnissen junger Zukunftsfirmen entgegen kommen.

So beleben sich Areale, die früher oft wie grobe Flicken auf dem feinen Gewebe der Städte saßen. Für die meisten Bürger waren es unbekannte, oft etwas unheimliche Terrains, die man an der Außenseite möglichst rasch passierte und deren Inneres man allenfalls vom Hörensagen kannte – wenn man es überhaupt kennen wollte. So etwas galt nicht nur für Industriekomplexe mitten in Städten, sondern auch für Bahngelände und Kasernen, Häfen und ganze Gewerbegebiete.
Doch selbst letztere, die scheinbar hoffnungslosesten Fälle für eine Urbanisierung, können sich beleben. Hierzu reicht es freilich nicht, alte Hüllen für junge Nutzer fit zu machen. Vielmehr ist die Vitalisierung ein Prozess, der ein gutes Jahrzehnt in Anspruch nehmen kann. Weit fortgeschritten ist er zum Beispiel im Nordostpark Nürnberg. Das 272.000 Quadratmeter große Gelände diente früher größtenteils Produktion und Gewerbe; heute existiert hier ein bunter Mix aus Forschung und Dienstleistungen, High-tech und Bildung.
Und das Gebiet verdient seinen Namen – der Nordostpark ist zum Park geworden. Er strahlt Campus-Atmosphäre mit üppigem Grün, Fitnessclub und Gastronomie. Es gibt einen Kindergarten und einen zentralen See. Eine neue Ringstraße hat System und Übersichtlichkeit in das Wegenetz gebracht. Sommer- und Weihnachtsfeste, Beach-Volleyball und Laternenumzüge locken Menschen an, die sich früher nie hierher verirrt hätten.
All das lohnt sich für die Stadt, aber ebenso für die Nutzer des Parks und für IVG als Eigentümerin. Zu den Mietern zählen heute Lucent Technologies, die Universität Erlangen-Nürnberg und die Fraunhofer-Gesellschaft. Weltweit renommierte Architekten wie Kevin Roche aus New York haben das Areal mit eleganten Bauten belebt.
Nicht nur hier finden Arbeit und urbanes Leben wieder zueinander. Auch an anderen Orten kehrt sich ein Prozess um, der das 20. Jahrhundert beherrschte: die Trennung von Stadt und Gewerbe. Für die gab es gute Gründe, wo dieses Gewerbe von Lärm und Gestank, Verkehr und immensem Flächenbedarf geprägt war. Sie wird jedoch überflüssig und sogar hinderlich, wo High-tech und Dienstleistungen an die Stelle der Industrie treten. Denn die Unternehmen des 21. Jahrhunderts brauchen Kommunikation und kurze Wege, ein ansprechendes Umfeld und gute Infrastruktur – haben also die typischen Wünsche moderner Stadtbürger. Die Re-Urbanisierung der Arbeitswelt ist einer der erfreulichen Trends, die die Städte in unserer Zeit prägen.