Stiftung Lebendige Stadt
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Neue Wege gehen – Unternehmen in die Verantwortung von Thomas Mirow

Drei große Strukturbrüche erschüttern gegenwärtig unser Land wie auch die meisten unserer Nachbarn: die sich weiter beschleunigende Globalisierung, eine fortdauernde technologische Revolution und eine grundstürzende Veränderung der Demographie. Die damit verbundenen gesellschaftlichen und ökonomischen Folgen stellen unsere Städte vor ungeheure Herausforderungen.

 

Während die Bürger von ihren Städten erwarten, dass sie ihnen in der Wettbewerbsgesellschaft zur Seite stehen – zum Beispiel mit hervorragender Kinderbetreuung, die eine volle Berufstätigkeit der Frauen erlaubt, oder mit besten Verkehrsverbindungen in die europäischen Geschäftszentren –, fällt es den Kommunen zunehmend schwerer, auch nur ihre herkömmlichen, grundlegenden Aufgaben zu erfüllen.

Die finanzielle Situation nahezu aller Städte und Gemeinden in Deutschland ist desolat.
In sehr vielen Städten stellt sich daher in immer drängenderer Weise die Frage, was zu tun ist, um einem gefährlichen Teufelskreis aus unzureichenden Einnahmen, ungenügenden Investitionen, allgemeiner Vernachlässigung des öffentlichen Raums, nachlassender Anziehungskraft für Unternehmen, sich beschleunigenden Armutsentwicklungen bei einer wachsenden Minderheit, sinkender Attraktivität für Bewohner und Besucher und einem dadurch ausgelösten erneuten Rückgang der Steuereinnahmen zu entgehen.

Wir werden in Deutschland neue Wege gehen müssen, wenn wir den Menschen in unseren Städten eine überzeugende, eine ermutigende Perspektive der Teilhabe an den Chancen dieses 21. Jahrhunderts bieten wollen. Dabei wird es in wachsendem Maße darauf ankommen, nicht nur stärker an die Eigenverantwortung der Menschen zu appellieren, sondern auch zusätzliches bürgerschaftliches Engagement zu wecken. Hier können und hier müssen die Unternehmen eine tragende Rolle spielen.

Sie werden dies allerdings nur dann tun können, wenn die Städte ihrerseits die Rahmenbedingungen verstehen und akzeptieren, unter denen Unternehmen heute tätig sind, wenn die Städte ihrerseits eine aktive Mitverantwortung für „ihre“ Unternehmen übernehmen, insbesondere indem sie verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, beispielsweise hinsichtlich kommunaler Steuern und Gebühren, indem sie für zügige Genehmigungsverfahren sorgen, eine effiziente Verwaltung bieten, bestehende, unnötige, aber kostenträchtige Bürokratielasten abbauen und neue Auflagen sehr sorgfältig auf ihren wirklichen Nutzen hin prüfen.

Privates und privatwirtschaftliches Engagement werden vielfach gebraucht, um
für die Gesellschaft wichtige Aufgaben zu erfüllen, die von den unterschiedlichen staatlichen Ebenen – und insbesondere von den Städten - nicht mehr oder nicht mehr in der gewünschten Qualität wahrgenommen werden können. Dazu wird es oft ganz neuer Formen des Zusammenwirkens, neuer Netzwerke von öffentlicher Hand, Verbänden, Vereinen, Stiftungen, Nichtregierungs-Organisationen, Initiativen aller Art und der jeweiligen örtlichen Wirtschaft bedürfen.

Was ist nicht alles zu tun? Da können und sollten enge Verbindungen geknüpft werden zwischen allen, die sich aktiv an Forschung und Entwicklung beteiligen wollen, damit ein leistungsfähiges Netzwerk aus einschlägigen Unternehmen, Forschungsstätten, Hochschulen und anderen Bildungseinrichtungen einer Stadt bzw. einer Metropolregion entstehen kann. Nur wenn es gelingt, in möglichst vielen Regionen auf diese Weise neue Zentren der Exzellenz zu entwickeln, wird es möglich sein, die Grundlagen unseres Wohlstandes auch in Zukunft zu sichern.

Da können und sollten sich Unternehmen um die Entwicklung ihrer Städte verdient machen, indem sie sich aktiv an der Belebung und Revitalisierung der innerstädtischen Zentren beteiligen, sich gemeinsam mit der Verwaltung darum bemühen, auf brachfallendem Gelände neue attraktive Wohn- und Gewerbequartiere entstehen zu lassen, bei Investitionen in die eigenen Baulichkeiten und in die Gestaltung des Umfeldes gute Architektur zum Zuge kommen lassen.

Was wäre unser Gemeinwesen, wie sähen unsere Städte aus, ohne Unternehmen, die zu mäzenateischem Handeln bereit wären? Um wieviel wären wir alle als Gesellschaft ärmer, würde nicht die Zahl der Unternehmen laufend ansteigen, die erhebliches Kapital in Stiftungen investieren?

Es ist deshalb sehr ermutigend, dass Vereinigungen wie die „Stiftung Lebendige Stadt“ dazu beitragen, dass sich noch mehr Unternehmen im Wege praktischen Handelns zu ihrer Mitverantwortung für das Gemeinwohl bekennen.